Schönen Dank, Augusta!

Ich hatte 2014 schon mal das inzwischen nicht mehr ganz so neue Terrassencafe „Dank Augusta“ in der Kölner Flora erwähnt. In der Zwischenzeit habe ich bei Florabesuchen einige Male dort Halt gemacht. Man kommt halt dran vorbei, die Sonne scheint, es ist einladend und man könnte eine Pause gebrauchen. Jedes Mal wiederholt sich dann aber dasselbe unschöne Procedere, welches den ganzen Besuch trübt.

Das Floragebäude ist aufwändig, teuer und sehr schick saniert bzw. von den Grundmauern neu aufgebaut worden. Das Café hat nur in der Saison geöffnet, die Terrasse ist mit verschiedenen Sitzmöglichkeiten dicht gefüllt. Versorgen muss man sich selbst an einem Stand oder einem kleinen Thekenraum an der Terrasse. Jetzt lese man sich mal die nett formulierte „Anleitung“ durch. Noch mal zur Vorstellung: Kuchen oder Herzhaftes gibt es in Weckgläsern, Heißgetränke in Keramikbechern mit Deckel, kalte Getränke in den jeweiligen Flaschen mit Gläsern dazu. Diese Dinge werden an der Theke in eine graue Plastetasche geladen, Servieten und Besteck dazu, der Flaschenöffner hängt am Henkel.

Ich gehe mal die Punkte der Tafel durch:

„Ein schönes Plätzchen auf der Terrasse suchen“
Suchen ist hier das Wort, auf das es ankommt. Die Menschen kommen zahlreich und bei schönem Wetter, es ist also voll. Jedes Mal, wenn ich da war, war es rappelvoll. Man späht also erst mal eine Weile, wo noch eins dieser schönen Plätzchen frei ist. Als einzelne Person hat man da aber doch relativ schnell noch etwas entdeckt. Nützt einem aber auch nichts, denn als Einzelperson kann man den Platz ja eh erst einnehmen, wenn man sein Täschchen schon herumträgt. Also verzichtet man auf Punkt 2:

„Lieblingsgerichte und Getränke aus der Karte rauspicken“ und geht gleich zu Punkt 3 über:

„Zur Theke gehen und Picknicktasche füllen lassen“ bzw. man reiht sich in eine der schon sehr langen Schlangen ein und wartet. Während man langsam näher rückt, versucht man, schon mal zu entziffern, was es denn gibt. Man hätte auch die Möglichkeit, zuerst in den freien Raum zwischen den beiden Schlagen zu gehen, um die Angebotstafel in Ruhe studieren zu können, aber in der Zwischenzeit würden ja mindestens 5 weitere Leute die Schlange verlängern, daher schenkt man es sich lieber. Bei dem Besuch letzten Sonnabend dauerte es 25 Minuten vom Anstellen bis zum Hinsetzen. Da überlegt man jedes Mal, ob man nicht doch lieber wieder gehen soll. Es nervt ungemein! Man fühlt sich wie in der Badeanstalt in den 70er Jahren, wo man am Kiosk nach Cola und Keksen anstand. Nur ging es da schneller. Wenn man dann endlich dran ist und inzwischen auch weiß, was man möchte, wird man freundlich und flink bedient, da kann man nicht meckern, aber nach jedem Heißgetränk muss in den hinteren Teil des Thekenraums gerufen werden: „DREI LATTE MACCHIATO, EINEN MILCHKAFFEE!!! … EINEN MILCHKAFFE“ – „WAS JETZT, EINEN MILCHKAFFEE ODER ZWEI?“ – „ZWEI!“ Dann wartet man wieder, zusammen mit den Leuten, die vor einem dran waren und auch auf die heißen Getränke warten. Dann hat man endlich seine Tasche und macht sich nun also erst auf die Suche nach einem freien Platz. Hat man den gefunden, kann man sich

„Gemütlich hinsetzen, auspacken und genießen“ – was dann für mich auch der einzige Punkt ist, der mit der Tafel übereinstimmt. Okay, man muss sich schon mal hier und da durchquetschen, weil die raren freien Plätzchen nicht alle so leicht zu erreichen sind und einige Besucher auch das Mobiliar umräumen. Hat man das aber bewältigt, genießt man, man hat es sich auch verdient nach der langen Ansteherei. Dabei arbeitet man automatisch den Punkt

„Freuen“ ab. Noch mehr freuen würde man sich aber, wenn die Preise dem Gesamt-erlebnis  angemessen wären. Das nervige lange Selbstbedienungsgewurschtel gibt nämlich einen krassen Punktabzug für das so modern sein wollende „Dank Augusta“ und die ansonsten ganz schöne Terrasse.

Der beste Punkt kommt aber zum Schluss:

„Das Ganze ggf. wiederholen (auch mehrfach)“
Genau! 25 Minuten (bei anderen Gelegenheiten vielleicht auch nur 20 oder gar mal 15 Minuten, Juchuuu!) anstehen, dann Platz suchen, genießen und freuen, und weil’s so schön war, noch mal anstellen… und ggf. auch mehrfach! Ist es weniger unschön, wenn man zu zweit oder zu mehreren kommt? Dann können sich die anderen, die nicht die A-Karte gezogen haben, wenigstens schon mal hinsetzen und die Unterhaltung führen, die man gerne gemeinsam und bereits bei Kaffee und Kuchen geführt hätte. Aber bloß nichts vergessen! Oder man schickt dann jemand anderen los, auf den man dann wieder 20 Minuten verzichten muss…

Bei einem Florabesuch mit Verwandten und Freunden würde ich natürlich auch gerne im Cafe eine genüssliche Pause einlegen, aber unter diesen Umständen schenkt man es sich lieber, denn dann ist es nicht nur nervig, sondern auch peinlich, so etwas kann man seinem Besuch nicht zumuten.

Zu guter Letzt noch: die ganzen Plastetaschen kann man jeweils am Tisch stehen lassen, sie werden zwischendurch eingesammelt. Ist das Geschirr nicht schon von den Gästen selbst zurück in die Taschen geräumt worden, wird es geräuschvoll klirrend vom Personal in die Taschen verfrachtet, was wohl auch den Katscher an meinem Becher erklärt, was man aber erst bemerkt, wenn man den Gummideckel entfernt hat.

All das wird dem edel sanierten Floragebäude für mich nicht gerecht und auch nicht den ordentlichen Preisen im Café.

Und nachdem ein Besucher bereits im großen Garten umhergelaufen ist, würden sich auch seine Füße freuen, wenn man sich einfach an einen Tisch setzen könnte und nur auf die Bedienung warten müsste…

Wahrscheinlich wird man sagen: aber es läuft doch wunderbar, das Cafe wird hervorragend angenommen von den Leuten, sonst wäre es ja auch nicht so voll! Kunststück: es gibt ja keine Alternative, wenn man dort einen Kaffee trinken will. Oder man quetscht sich das nächste Mal die gute alte Thermoskanne mit in den Fotorucksack und bringt sich einen Muffin mit.

5 August 14 Flora 065

8 Antworten

  1. Unglaublich. Wie schön … das ich weit genug weg wohne.

    16. April 2016 um 06:04

    • Ja, es gibt da sicher entspanntere Plätzchen, um eine Pause zu genießen.

      17. April 2016 um 13:21

  2. Vielen Dank für diesen objektiven Erfahrungsbericht. Bei meinem letzten Florabesuch hatten die noch zu. Und für den nächsten Besuch, weiß ich, daß ich da garantiert nicht hingehe.
    LG Hans

    17. April 2016 um 00:47

    • Naja, falls man das Glück hat, dass es nicht so voll ist, kann es durchaus nett sein, auf der Terrasse eine Kleinigkeit von dem durchaus schmackhaften Angebot zu genießen.

      17. April 2016 um 13:20

  3. PeM

    Und hierbei hast Du noch nicht mal die Toilettenzustände erwähnt, an die man, Dank Deines Berichts, lieber nicht denken möchte…
    Okee.
    Man könnte sagen, die haben nicht mit so’nem Ansturm gerechnet, als sie damals (wann?) anfingen. Das wäre aber auch schon das einzige Augusta-Pro, denn jetzt, da es nun mal so ist, wie es ist, könnte man einige Dinge zur Freude der Besucher ändern, ich meine – man kann ja nicht sagen, es wären keine Mittel, sprich Geld, da, denn offensichtlich brummt der Laden. Meiner Meinung nach fehlt es hier an Konkurrenz. Gäbe es eine, würde die Sache vermutlich anders laufen. So aber ist Augusta die einzige, und wenn man sagt, „nee, da gehe ich nicht mehr hin“, juckt es wahrscheinlich niemanden, weil es, wie ich denke, die Laufkundschaft ist, die den Laden am Leben hält.

    Bei uns in Ffm gibt es etwas ähnliches Nähe Main, Höhe Uniklinik, also Niederrad, das „Lilu“, (http://www.lilu-frankfurt.de/) Supertoll gemacht, mit viel Platz, zum Spielen für Kinder, zum Ausruhen für Erwachsene, viele Bäume, AAABER – hat man Hunger und/oder Durst ist es dort dasselbe Spiel, von daher, nein danke. Lieber latsche ich dann weiter (was wir damals auch gemacht haben😉 ), steige gegebenenfalls in den Bus, und setze mich in einen schönen gemütlichen Biergarten, wo ich nur aufstehen muss, wenn die Blase drückt🙂

    Danke Süße, für den tollen Erfahrungsbericht!

    21. April 2016 um 14:30

    • Das Klo war nicht überfüllt, denn man hatte vergessen, die Tür aufzusperren. Man kam immer nur ein, wenn jemand raus kam…

      Diese Selbstbedienung mit den Taschen und den Sachen im Glas ist deren Konzept, daran wird sich nichts ändern. Und für diese ganzen Tische Bedienung einzustellen ist ja sicher gerade das, was sie vermeiden wollen. Leider.

      21. April 2016 um 23:37

      • PeM

        Die Selbsbedienung mit den Taschen und Gläsern ist an und für sich eine tolle Idee, auch, dass man sie sich selbst holen muss, finde ich jetzt nicht das Schlimmste. Nun kenne ich die örtlichen Begebenheiten (Gegebenheiten?) nicht, aber mehr Platz für die Besucher, sprich, mehr Tische und vielleicht eine, allenfalls zwei weitere Mitarbeiter hinter der Theke würden schon helfen, meine ich. Wie bereits erwähnt, deren Vorteil ist vermutlich die Laufkundschaft. Kann mir nur schwer vorstellen, dass es Stammkunden gibt, denn wer tut sich sowas schon freiwillig mehr als ein Mal an…

        22. April 2016 um 12:38

        • Im Botanischen Garten gibt es sicher keine Stammkunden. Es ist ein Saisoncafe für die Flora-Besucher. Und Personal hinter der Theke gibt es ja, 3 oder 4 Leute. Tische gibt es auch genug, zu viele eben für das, was die Theken abarbeiten können.

          22. April 2016 um 22:18

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