Libellenpirsch in der Wahner Heide

„Die Wahner Heide – das sind blühende Heiden neben Sümpfen, Heidemooren und Bruchwäldern, offene Dünenlandschaft in Nachbarschaft zu Tümpeln, Teichen und naturnahen Bächen… Rund 700 gefährdete Tier- und Pflanzenarten finden in dem zweitgrößten und artenreichsten Naturschutzgebiet Nordrhein-Westfalens, das zwischen Köln, Rösrath und Troisdorf gelegen ist, eines ihrer letzten Rückzugsgebiete…“, so kann man lesen auf www.wahnerheide.net. Auf Wikipedia erfährt man, dass das Gebiet 2.866 Hektar groß sei. Ich hatte mir bei meinem ersten Besuch im letzten Herbst dort schon Blasen an die Füße gelaufen, aber immerhin hatte ich einen ersten Überblick über das große Gelände gewonnen. Die Westseite grenzt direkt an den KölnBonner Flughafen, so dass man ständig Maschinen starten und landen hört und sieht.

Da dort auch eine große Anzahl von Libellenarten zu Hause ist, habe ich mich nun zum zweiten Mal in diesem Jahr aufgemacht, um einige von ihnen aufzuspüren. Ich bin so früh aufgebrochen, dass ich die erste Zug- und Busverbindung zu dem für mich besten Ausgangsdörfchen erreichte, um möglicherweise noch einige Libellen im Tau zu erwischen, so dass ich um 6.45 Uhr an den Teichen war, an denen ich eine Woche zuvor u. a. die Westliche Keiljungfer und die wunderschöne Gebänderte Prachtlibelle zum ersten Mal gesehen hatte. Es stellte sich heraus, dass die Libellen aus ihrer Morgenstarre zum größten Teil schon „abgetaut“ waren, jedoch saßen die kleinen „blauen Stäbchen“ immer noch ziemlich ruhig auf ihren Halmen, eine konnte ich dabei beobachten, wie sie an einem großen Tautropfen zuerst ihre Morgentoilette erledigte, indem sie erst ihr vorderstes Beinchen immer wieder am Tropfen befeuchtete und sich anschließend damit über die Augen strich, und danach einen erfrischenen Morgentrunk nahm. Die noch vom kühlen, schweren Tau starr im Gras hängenden größeren Libellen, die ich erwartet hatte, ließen sich aber leider nicht aufspüren.

  

Die Blaue Federlibelle im Gras

 
Große Pechlibelle im so genannten Paarungsrad:
Das grüne Männchen hält die Partnerin mit seiner Hinterleibszange am Hals fest, während das blaue Weibchen den Samen aus der Samentasche des Männchens nimmt. Einige Stunden später erfolgt die Eiablage, die das Weibchen dieser Art allein, ohne Begleitung des Männchens, vornimmt.

Was sonst noch kreucht und fleucht:

Der Weg war übersäht mit winzigen, bronce schimmernden Fröschchen, die von einem Teich zum anderen wollten und die Größe eines kleineren Fingernagels hatten. Teichfrösche trifft man natürlich auch immer.

 

Falter
und solche, die es mal werden wollen:
Kommafalter, Raupe Brauner Bär, Märzveilchenfalter und Kaisermantel
      
 
Schwebfliege und Wespenschwebfliege
 

Auf meinem weiteren Rundgang durch noch unbekannte Gebiete der Heide entdeckte und erwischte ich später zum ersten Mal ein junges Männchen des Kleinen Blaupfeils, der jedoch seine endgültige Ausfärbung noch nicht hatte und in einem schönen Orangebraun leuchtete, und einen schönen großen Plattbauch. Der große Blaupfeil ließ mich so nahe heran, dass ich, neben ihm liegend, mein Objektiv bis auf ca. 10 cm an ihn heranbringen konnte. Er ließ sich bei seinem Sonnenbad nicht stören.

Großer Blaupfeil
 
 
Kleiner Blaupfeil
 
 
     
 
 
 
Vierfleck
 
 
 
Plattbauch
 
 
Westliche Keiljungfer
 

Das größte Highlight war jedoch, dass ich das Glück hatte, eine Große Königslibelle bei der Eiablage zu erwischen. Diese Art sieht man sonst kaum sitzend, sie sind nur am Herumschwirren wie kleine Helikopter.

Neckisch: das daneben ebenfalls mit der Eiablage beschäftigte Paar Kleinlibellen, möglicherweise Hufeisen-Azurjungfern (der Name rührt von einer hufeisen- oder u-förmigen Zeichnung auf dem zweiten oberen Hinterleibssegment). Bei anderer Gelegenheit hätten sie der Großen Königslibelle möglicherweise eine leckere Mahlzeit sein können, denn Libellen fressen sich auch untereinander. Bei der Hufeisen-Azurjungfer (z. B.) hält das Männchen das Weibchen während des Tandemfluges und bei der Eiablage mit seiner Hinterleibszange fest. Bei der Eiablage im Wasser steht dann sozusagen das Männchen gerade auf dem Weibchen, um dieses zu schützen und bei Gefahr durch Fressfeinde sofort hochziehen zu können, aber auch um Nebenbuhler abzuwehren.

Mehr Libellenfotos gibt’s im Flickr-Album.🙂

11 Antworten

  1. Liebe Nelia,
    das ist so wunderschön! Danke für diesen Artikel. ICH finde, du hast dich selbst übertroffen! Die Mühe mit dem Text und diese sensationellen Bilder. Klasse Arbeit! DAS Nelia, ist Profiarbeit! Und versuch dich bitte nicht wieder rauszureden. Das ist erste Klasse. Punkt!
    Deine „Libelle“ Karin %

    13. Juni 2011 um 21:19

    • „Vielen Dank für die Blumen, vielen Dank, wie lieb von Dir…“, wenn ich auch finde… ist ja gut, ich sag ja nix!🙂 Dafür bin ich auch auf den Knien gerobbt, in ein Sumpfloch gefallen – flopp, war’se weg -, kilometerweit gelatscht und musste die Schmach des Anblicks eines 600-mm-Objektivs ertragen, das ein Naturfreund unbenutzt am Teich stehen hatte, um stundenlang an selbigem zu referieren und den Platz zu besetzen…😉 Aber ich hab mich sooo über die neue Beute gefreut!😀

      13. Juni 2011 um 21:33

      • In ein Sumpfloch gefallen? Ach Du lieber Gott. Getan haste Dir ja offenbar nix, also kann man sagen, dass es das wert war *lach*
        Das mit der 600er Linse ist unfair, einfach nur unfair…

        15. Juni 2011 um 18:18

  2. Wahrlich eine Exkursion, auf die du uns mitnimmst! Ich bin von den Fotos begeistert, echt super, was du alles vor die Linse bekommen hast. Und der 600mm-Mann ist doof, da nutzt jegliches Equipment nichts, wenn der kein Auge für die Schönheiten um ihn rum hat. Weiter so!

    14. Juni 2011 um 13:01

    • Danke schön, Sandra. Ich nehme an, der 600-mm-Mann harrte der Dinge bzw. der Libellen, die da kommen sollten und vertrieb sich die Zeit damit, andere Fotografen an seinem vielfältigen Wissen teilhaben zu lassen, ob sie das nun wollten oder nicht😉 Dumm nur, dass er dabei an der besten Teichstelle stand. Ich vertreibe mir die Zeit lieber mit Suchen und Streifzügen als mit stundenlangem (wie er erwähnte) Warten. Und just hatte ich dieses Grüppchen nach meiner nötigen Verschnaufpause verlassen, erwischte ich einige Meter weiter an einer großen Pfütze den Plattbauch.😀 Aber irgendwie schüchtert mich der Anblick solcher Ausrüstung doch immer ein. Da kommt man sich gaaanz mickrig vor mit seinem kleinen Makro. Allerdings würde ich dann immer gerne mal sehen, welche Ausbeute diese „Gewichtheber“ am Abend nach Hause tragen. Für Vogelnester mögen 600 mm ganz nützlich sein, aber bei den Libellen, die einem ja vor der Nase herumtanzen… ich weiß nicht, wie praktisch so ein Teil da wirklich ist. Aber auf jeden Fall sieht es beeindruckend aus.😉

      14. Juni 2011 um 14:42

  3. Text und Aufnahmen harmonieren bestens. Finde die Aufnahmen auch sehr gelungen, Libellen sind wahre Flugkuenstler, fotografisch immer eine Herausforderung, diese hast Du gut gemeistert.

    saludos

    14. Juni 2011 um 17:23

  4. Also, ich weiß ja gar nicht, wo ich hier anfangen soll, ich bin einfach nur platt.
    Hast Du nachträglich noch ein paar Bilder hinzugefügt? Kam mir beim ersten Mal kucken weniger vor. Anscheinend war ich teilweise geblendet von soviel Schönheit😉
    Die ersten beiden Bilder sind ein Traum. Wenn ich es doch nur auch mal schaffen würde, meinen A*** so früh aus den Federn zu wälzen… ich liebe diese frühmorgendliche Nebel-Stimmung. Schön, dass Du sie so toll einfangen konntest!

    Die blaue Federlibelle mit dem Wasserröpfchen ist atemberaubend schön, nebem dem Paarungsrad mein Favorit! Leider fehlt bei diesem die Großansicht, bitte bitte ändern!🙂

    Die Fröschlein hätte ich Blindschleiche wahrscheinlich nicht mal gesehen…

    Das linke Bild des kleinen Blaupfeils ist grandios geworden, da passt alles! Nur der Name nicht *g*

    Sehr schön die Spiegelung der Hufeisen-Azurjungfer-Flügel im Wasser, hättest sie ja ruhig mal bitten können, noch einen Schritt nach hinten zu machen, wenn sie sich schon auf so einem unsäglich Untergrund niederlässt *lach*
    Interessant auch die ‚Kanibalen-Geschichte‘, hast Dich ja inzwischen ordentlich informiert, meine Liebe, Respekt!🙂

    Mensch, so viele unterschiedliche Libellen-Arten gibt’s bei meinem Tümpel des Grauens ganz sicher nicht, muss mich wohl nach einem anderen Biotop umsehen, wenn ich mit Dir mithalten will…

    Fazit: Dafür, dass Du immer ‚jammerst‘, weil Du alles verwackelst, sind Deine Aufnahmen ganz große Klasse geworden – gar nicht auszudenken, was wir hier zu sehen kriegen, wenn Du in Hochform bist😉

    15. Juni 2011 um 18:37

    • Colognelia

      Freut mich sehr, meine Liebe, dass Dir der Artikel so gefällt, danke schön.🙂 Der Popup-Befehl bei den Pechlibellen muss beim Versuch, den Text zu editieren, verloren gegangen sein, aber auf Flickr sind ja alle Bilder in groß zu sehen. Es gab sogar noch mehr Kleinlibellen an diesem Tag, aber der Artikel war lang genug🙂 Gespiegelte Flügel im Wasser sehe ich jetzt nur bei der Großen Königslibelle, die Azurjungfern sind das kleine Pärchen rechts neben ihr.😉

      15. Juni 2011 um 21:08

  5. Einfach nur WOW!!!! Das ist Profiarbeit. Ich bewundere dein Können.

    16. Juni 2011 um 14:18

    • Danke auch an Dich, Ute. Aber von Profiarbeit ist das weit entfernt. Ich knipse unter dem Motto: einfach probiert anstatt studiert.😉 und freu mich immer noch wie ein Schneekönig über jedes scharf gewordene Bild.

      16. Juni 2011 um 16:10

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